Christen sind Weicheier, Warmduscher und Harmoniemenschen. Ich glaube dass es wirklich so ein Vorurteil über Christen gibt. Und ganz ehrlich? Ich habe oft das Gefühl wenn ich die Christen um mich herum sehe, dass sich genau dieses Vorurteil bestätigt. Nicht nur äußerlich kommen Christen häufig wie ein Schluck Wasser daher, sondern auch innerlich sind sie oft wie eine Fahne im Wind.

Das ist ein Phänomen das ich auch von mir selber kenne. Es gibt innere Dynamiken die einen zur Schwachheit treiben, und man selbst entschuldigt es dann noch mit einer angeblichen Frömmigkeit. Wir schauen uns die Bibel an und sagen: „Ja ich soll doch meine linke Wange hinhalten“, und nehmen das dann als Ausrede für unsere Schwachheit und Angst. Und genau dieses Problem möchte ich ansprechen: Wir vertauschen Gewaltlosigkeit mit Feigheit.

In Wahrheit sind wir feige, aber es ist uns sehr bequem diese Feigheit unter dem Deckmantel der Gewaltlosigkeit zu verstecken. Aber echte entschiedene Gewaltlosigkeit hat überhaupt gar nichts mit Feigheit zu tun, sondern wird stattdessen aus richtig krassem Mut geboren. Wir verwechseln es nur und lassen uns damit vom Satan täuschen, denn wir haben zwar den „Geist der Kraft“ bekommen, aber wenn wir uns täuschen lassen bleiben wir trotzdem in Schwachheit.

Wenn wir die Bibel betrachten dann begegnet uns auf vielfältige Art und Weise ein Entwicklungsprozess der gegangen wird im Verlaufe der biblischen Geschichten. Gott lehrt und erzieht den Menschen, er fängt mit den Basics an und kommt dann zu den höheren Prinzipien. Ich selbst sehe dabei in der Regel drei Phasen. Folgende Beispiele zeigen was ich meine.

  • Ausgangspunkt des Menschen: Rache
  • Gottes erste Antwort: Gerechtigkeit
  • Gottes zweite Antwort: Gnade
  • Ausgangspunkt des Menschen: Sünde des Menschen
  • Gottes erste Antwort: Eigenes Leben in Ordnung bringen
  • Gottes zweite Antwort: Anderen Menschen helfen
  • Ausgangspunkt des Menschen: Totaler Egoismus
  • Gottes erste Antwort: „Handel“ der beide Seiten einen Vorteil bringt
  • Gottes zweite Antwort: Liebe die sich selbst verschenkt

Genauso gibt es einen weiteren „Dreisatz“ der sehr wichtig ist, aber dennoch von den meisten nicht verstanden wird. Und das ist Folgender:

  • Ausgangspunkt des Menschen: Feigheit oder feige Gewalt
  • Gottes erste Antwort: Mutige Gewalt um sich zu schützen und seine Anliegen durchzusetzen
  • Gottes zweite Antwort: Mutige Gewaltlosigkeit

Der Ausgangspunkt des Menschen, der sich von Gott losgesagt hat, ist Feigheit und feige Gewalt. Feigheit akzeptiert Unrecht und Ungerechtigkeit und findet sich damit ab. Feigheit schweigt wenn einem anderen Schaden zugefügt wird und scheut den Konflikt. Feigheit flieht und nimmt Einbuße der Freiheit in Kauf. Die Angst vor dem Konflikt ist übermächtig und bewirkt eine regelmäßige Lähmung. Damit fördert Feigheit die Bosheit, selbst wenn man sie selbst ablehnt.

Feige Gewalt hingegen meidet den offenen Konflikt sucht aber die hinterhältige Gewalt und Vergeltung. Feige Gewalt bedeutet zum Beispiel, dass man einem Mann in den Rücken schießt sobald sich die Möglichkeit ergibt. Auch Terroranschläge gehören zur feigen Gewalt. So erschlug zum Beispiel Kain seinen Bruder Abel mit feiger Gewalt. Er lockte ihn auf den Acker und tat so als gäbe es keinen Konflikt. Sein Bruder ahnte nichts und Kain schlug ihn, vermutlich mit einem schweren Stein auf den Hinterkopf, sodass dieser starb.

Es kommt also zur Ungerechtigkeit, zur Schuld und zu Konflikten unter den Menschen. Und Gottes erste Antwort auf diese drohenden Situationen ist die mutige Selbstverteidigung und der mutige offene Konflikt. Als Beispiel sei hier die Vorgehensweise Gottes mit seinem Volk Israel genannt. Als Gott sein Volk aus Ägypten herausführte, war es ein Volk mit Sklavenmentalität und durchdrungen von Feigheit. Ein Grund weshalb Gott das Volk nicht sofort in das verheißene Land führte war, dass es zu feige war um das Land im offenen Konflikt einzunehmen. Gott musste seinem Volk erst einmal zeigen was es heißt mutig und stark in einem Kampf zu sein. Er machte aus Sklaven echte mutige Soldaten.

Doch es bleibt wie so häufig nicht stehen bei der ersten Antwort Gottes sondern er zeigt dann im Neuen Testament noch einen weiteren besseren Weg auf: Der Weg der Liebe und der Gewaltlosigkeit. Gewaltlosigkeit ist ganz anders als Feigheit, denn bei diesem Prinzip stellt man sich dem Konflikt. Man schaut nicht Weg sondern erhebt seine Stimme gegen Unrecht und Ungerechtigkeit. Man spricht Konflikte offen an und scheut nicht die Konfrontation. Im Gegensatz zur mutigen Gewalt reagiert die mutige Gewaltlosigkeit jedoch nicht mit Gewalt, wenn der Person selbst mit Gewalt begegnet wird. Stattdessen reagiert die Person mit Gewaltlosigkeit und erträgt bereitwillig das Leid in dem Wissen, dass diese Form des Widerstandes in Wahrheit die Effektivste ist, da man dadurch komplett Gott auf seiner Seite hat und er auch selbst genau so handelt. Die wichtigste Bibelstelle dazu ist tatsächlich die berühmte Wange, die hingehalten werden soll:

Ich aber sage euch: Setzt euch nicht zur Wehr gegen den, der euch etwas Böses antut. Im Gegenteil: Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch die linke hin.  (Matthäus 5,38)

Und weiter unten wird auch davon berichtet welchen Effekt ein solches Handeln haben wird:

Damit erweist ihr euch als Söhne eures Vaters im Himmel. (Matthäus 5,45)

Jesus hat hier ganz klar gemacht, dass diese neue Anweisung sich deutlich von „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, was für Gerechtigkeit und mutigen Kampf steht, unterscheidet. Die neue Anweisung löst die alte ab. Die alte Anweisung war nicht falsch, aber die neue ist einfach nochmal wesentlich besser, sie ist göttlich!

Der Fehler den wir hier jedoch häufig machen ist, dass wir die neue Anweisung missverstehen und es eher als eine Rückkehr ansehen zur Feigheit. Es ist zwar ganz klar keine Rückkehr zur feigen Gewalt, aber man kann es als Rückkehr zur Feigheit missinterpretierten. Man kommt dann zum Schluss: „Aha, ich soll alles über mich ergehen lassen egal was der andere mir antut.“ Aber davon spricht Jesus nicht. Es ist keine Rückkehr zum alten Prinzip. Es ist die Offenbarung einer neuen Methode auf die die Menschen nicht von alleine gekommen sind. Es ist das Prinzip der mutigen Gewaltlosigkeit.

Und dieses Prinzip wird an Jesu Leben auch ganz sichtbar wenn man ihn kennt.  Jesus hat keinen Aufstand angezettelt, er hat keine Revolte und keine Ausschreitungen provoziert, denn er hatte nie Interesse an der Gewalt. Aber gleichzeitig war Jesus auch nicht feige und hat einfach geschwiegen. Er hat die Missstände direkt beim Namen genannt und ist dabei auch verbal in die Offensive gegangen. Konflikte hat Jesus nie gemieden, er hat sie nur nicht mit Hilfe der Gewalt ausgefochten:

Ihr Nattern, ihr Schlangenbrut! Wie wollt ihr dem Strafgericht der Hölle entrinnen? Darum siehe, ich sende Propheten, Weise und Schriftgelehrte zu euch; ihr aber werdet einige von ihnen töten und kreuzigen, andere in euren Synagogen auspeitschen und von Stadt zu Stadt verfolgen. So wird all das unschuldige Blut über euch kommen, das auf Erden vergossen worden ist, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut des Zacharias, Barachias’ Sohn, den ihr zwischen dem Tempelgebäude und dem Altar ermordet habt. 36 Amen, ich sage euch: Das alles wird über diese Generation kommen. (Matthäus 23,33-36)

Da wurde einer ermordet (Zacharias) und Jesus spricht das ganz offen an. Er nennt die Dinge beim Namen. Seine linke Wange hinhalten hieß hier für Jesus nicht, dass er zu allem Unrecht schwieg. Es hieß für ihn, dass er alle Mittel nutzt um das Unrecht zu bekämpfen. Nur den Weg der Gewalt, den geht er aus Prinzip nicht denn es ist nicht der wahre Weg Gottes.

Wie reagieren wir auf das Unrecht der Zeit? Wie reagieren wir auf Tratsch, Lüge und Betrug um uns herum. Bei der Arbeit, unter Freunden oder in der eigenen Familie? Sagen wir dann: „Ach Jesus vergibt alle Schuld und liebt alle Menschen, deswegen sage ich lieber nichts…“? Oder üben wir uns in mutiger kämpferischer Gewaltlosigkeit egal was es uns kostet? Denn genau so hat es Jesus gemacht! Er hat sich mit den Mächtigen und Gewaltigen seiner Zeit angelegt und ist keine Kompromisse eingegangen auch wenn das Sympathien gekostet hat.

Übertragen auf die Nazi-Zeit zum Beispiel hätte Jesus hier nicht geschwiegen. Er hätte beobachtet was mit Anders-Denkenden, mit Ausländern und Juden, mit Homosexuellen, Behinderten und Zigeunern gemacht wurde. Und er hätte sich vor die Gestapo gestellt und hätte gerufen: „Ihr Mörder! Das sind alles Menschen wie wir! Alles Geschöpfe Gottes und nicht weniger wert als du und ich. Und ihr foltert sie und vergast sie wie wilde Tiere! Ihr Kinder des Satans, die Hölle wird schneller über euch hinein brechen als ihr es euch vorstellen könnt!“ Jesus wäre aufgestanden, er wäre nicht untätig geblieben. Aber viel wichtiger ist, Jesus hätte Untätigkeit und Feigheit erst recht nicht mit Gewaltlosigkeit oder dem Gebot der Nächstenliebe gerechtfertigt.

Aber was hätten die Nazis denn damals mit jemandem wie Jesus gemacht? Sie hätten ihn umgebracht! Sie hätten ihn zusammengeschlagen und dann hätten sie ihn in einem ihrer KZs vergast. Und genau das gleiche ist auch damals passiert als Jesus in Israel war. Er hat sich mit seiner direkten und offensiven Kritik in eine Gefahrenlage gebracht und die Mächtigen der Welt forderten seine erbarmungslose Folterung und seine Hinrichtung am Kreuz.

Die Geschichte Jesu ist eine Heldengeschichte, die von unfassbar großem Mut zeugt. Es ist keine Heldengeschichte mehr der mutigen Gewalt, wie wir sie häufig im Alten Testament finden. Aber es ist eine neue Heldengeschichte der mutigen Gewaltlosigkeit. Und damit offenbarte Gott dem Menschen eine neue Methode die funktioniert und die der mutigen Gewalt überlegen ist. Und mit genau dieser Methode hat Jesus den Teufel besiegt und für uns alle die Erlösung errungen. Wenn Jesus damit den größten Feind der Menschheit besiegen konnte, dann ist diese Methode auch die Beste für uns, um alle unsere Feinde, die Gewalten und Mächte der Finsternis, zu besiegen.

Wenn man diese neue Methode versteht, dann wird einem auch klar, dass die konsequente Nachfolge Jesu eben kein Ponyhof ist, sondern dass wir in einen Kampf gerufen werden, der Gefahren mit sich bringt. Und um diesen Kampf bestehen zu können müssen wir stark werden, müssen häufig trainieren und uns stetig in Mut üben.

Jesus sagt:

Habt keine Angst vor denen, die euren Körper töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann! (Matthäus 10,28)

Die Gewaltlosigkeit die Jesus uns vorlebt ist also kein Freibrief für Schwachheit und Angst. Stattdessen sendet Gott ja seinen Geist um uns zu verändern und gibt uns einen Geist der uns den Mut gibt und die Kraft gibt, damit wir diesen Weg der mutigen Gewaltlosigkeit beschreiten können. Selbst wenn wir dafür verfolgt werden oder dafür sterben müssen:

Denkt daran: Ich schicke euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Seid klug wie Schlangen, und doch frei von Hinterlist wie Tauben. Nehmt euch in Acht vor den Menschen! Denn sie werden euch vor die Gerichte zerren und euch in ihren Gotteshäusern auspeitschen. Weil ihr zu mir gehört, werdet ihr vor Machthabern und Königen verhört werden. Dort werdet ihr meine Botschaft bezeugen, damit alle Völker von mir erfahren. (Matthäus 10,16-18)

Lasst uns deswegen diesen wichtigen Aspekt unseres Glaubens nicht vernachlässigen und lasst uns wieder mutig und stark werden. Denn genau so möchte der Vater seine Kinder. Er will das sein Heiliger Geist des Mutes und der Kraft sich in uns breit macht und wir dann fähig sind mutig und entschlossen die Welt zu verändern, auch indem wir Unrecht und Ungerechtigkeit offen ansprechen und Konflikten nicht aus dem Weg gehen:

Der Gottlose flieht, selbst wenn ihn niemand verfolgt. Der Gerechte aber ist mutig wie ein junger Löwe. (Sprüche 28,1)

Und dieser neue Mut hat seine Quelle in Gott selbst:

Ja, ich sage es noch einmal: Sei mutig und stark! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der HERR, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst. (Josua 1,9)

Gott ruft uns also zum Kampf, zum Mut, zur Stärke. Allerdings nicht um mit Waffen und Gewalt gegen Menschen zu kämpfen, nicht um zu Vergelten, zu verletzen und zu töten. Stattdessen ruft Gott uns zum mutigen gewaltlosen Widerstand, zur kompromisslosen Ehrlichkeit, zur direkten Kritik und zum offenbar machen des Unrechts dieser Welt. Und natürlich ruft er uns in alledem zur mutigen Liebe unserer Mitmenschen und sogar Feinde auf. Zum demütigen Dienen. Der Kampf richtet sich nicht gegen Menschen sondern gegen die Kräfte des Bösen, gegen die Macht des Satans.

In diesem Sinne: Sei mutig und stark! Erhebe deine Stimme für die Schwachen, Armen und Unterdrückten! Sprich Unrecht offen an! Und fürchte dich nicht vor den Menschen die dann zornig werden. Vertraue stattdessen komplett Gott und lerne selbst den Tod nicht zu fürchten. Denn Gott beruft dich zu einem ewigen Leben, welches über das jetzige hinausgeht und er beruft dich ein mutiger Soldat zu sein um für sein Reich zu kämpfen! Auf in den Kampf! Jetzt ist es die Zeit!

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