Was ist Sünde? Ein zentraler Begriff der Bibel ist der Begriff „Sünde“, dieser wird viele Male erwähnt und ist sehr wichtig um die Botschaft der Bibel zu verstehen. Sünde ist allerdings ein Begriff den es in unserer Alltagssprache nicht (mehr) gibt. So fragte mich zum Beispiel eine junge Frau auf einem evangelistischen Einsatz, „Was ist denn Sünde?“, nachdem ich versucht hatte ihr etwas zu erklären und dabei das Wort Sünde gebrauchte. Diese Frage ist berechtigt, selbst für langjährige Christen ist dieses Wort nicht immer ganz leicht zu erklären. Ich möchte daher hier ein bisschen mehr Klarheit in diese Frage bringen.

Man kann sagen, dass Sünde ein Denken und Handeln ist welches dem Willen Gottes entgegen gerichtet ist. Es ist ein widerstreben Gottes und ein Brechen des Willen Gottes. Im 1. Mose 2 und 3 wird die erste Sünde des Menschen beschrieben, man spricht hier auch von dem Sündenfall.

Gott, der HERR, brachte den Menschen in den Garten von Eden. Er gab ihm die Aufgabe, den Garten zu bearbeiten und ihn zu bewahren. Dann schärfte er ihm ein: »Von allen Bäumen im Garten darfst du essen, nur nicht von dem Baum, der dich Gut und Böse erkennen lässt. Sobald du davon isst, musst du sterben!«  (1.Mose 2, 15-17)

Die Frau schaute den Baum an. Er sah schön aus! Es wäre bestimmt gut, von ihm zu essen, dachte sie. Seine Früchte wirkten verlockend, und klug würde sie davon werden! Sie pflückte eine Frucht und biss hinein. Dann reichte sie die Frucht ihrem Mann, der bei ihr stand, und auch er aß davon.
(1. Mose 3, 6)

(Gott sagte zu Adam:) Statt auf mich hast du auf deine Frau gehört und von den Früchten gegessen, die ich euch ausdrücklich verboten hatte. (1. Mose 3,17)

Gott schuf dem Menschen eine perfekte Welt, eine Welt in der es kein Leid, kein Schmerz, keine Traurigkeit und keine Angst gibt. Und er gab dem Menschen noch etwas ganz wertvolles und wichtiges: Einen eigenen Willen! Damit dieser eigene Wille aber tatsächlich existieren kann gab er dem Menschen eine Wahl: „Lebe mit mir in Liebe und Ewigkeit oder verlasse diese Welt und werde vergänglich. Es gibt hier immer eine Tür heraus und wenn du durch sie hindurch gehen möchtest, dann geh.

Der Mensch allerdings verstand das zu dem Zeitpunkt nicht. Er wusste nicht wie gut es ihm geht, weil er eben noch nie erlebte hatte, dass es ihm nicht gut geht. Ebenso verstand der Mensch zu dem Zeitpunkt nicht wie gut Gott ist. Wie denn auch, es war ja das einzige was der Mensch zu dem Zeitpunkt kannte. Zu der Erkenntnis Gottes gehört das Erleben und Erkennen von dem was Gott nicht ist: Das Böse, das Leid, die Sünde. Wenn der Mensch leidet dann kommt er zu der Erkenntnis, dass ihm das nicht gefällt und dass er lieber Freude und Frieden erleben möchte, genau die Dinge die Gott gibt und in ihm sind. Das ist ein Erkenntnisprozess der im Garten Eden nicht so ohne weiteres möglich war.

Eben weil der Mensch dies nicht verstand, hat er sich entschieden zu gehen. Der Mensch hat den Himmel (das Paradies) also aus freier Entscheidung verlassen. Er wählte die Sünde weil er nicht verstand was sie bedeutet. Das bringt den Menschen in eine Welt die sozusagen „durchwachsen“ ist. Der Mensch begegnet in dieser Welt sowohl all dem Guten was von Gott kommt als auch all dem Schlechten und Zerstörerischen was nicht von Gott kommt. Und Sünde ist somit nichts anderes als das Denken und Handeln welches das Schlechte und Zerstörerische aufbaut und damit das Gute abbaut.

Sünde ist Zerstörung, während Gott kreativ und gut ist und Leben bringt wirkt die Sünde dem entgegen, sie zerstört das was Gott aufbaut. Aus diesem Grund ist Sünde ein echtes Problem. Denn Gott hat den Menschen dazu geschaffen, dass er ein ewiges Geschöpf mit einem freien Willen ist. Wenn der Mensch jedoch weiterhin bei der Sünde bleibt, dann darf er kein ewiges Geschöpf bleiben, denn es wäre ewige Zerstörung. Das macht Gott sehr deutlich als er im 1.Mose nach dem Sündenfall sagt:

Nun ist der Mensch geworden wie wir, weil er Gut und Böse erkennen kann. Auf keinen Fall darf er noch einmal zugreifen und auch noch von dem Baum essen, dessen Frucht Leben schenkt – sonst lebt er ewig! (1. Mose 3,22)

Das bedeutet, dass der Mensch der sich für die Sünde entscheidet nicht ewig leben darf denn sonst würde auch seine Sünde ewig werden und das würde bedeuten es gäbe ein ewiges Widerstreben gegen Gott und ein ewiges zerstören seiner Schöpfung. Die Ewigkeit mit Gott jedoch ist ohne Leid, Zerstörung Hass und Angst. Dort kann und darf keine Sünde existieren und dafür sorgt Gott schon. Der Vers in Mose kann Missverstanden werden indem man meint Gott möchte gar nicht dass der Mensch ewig lebt aber das ist nicht korrekt und wird an vielen Stellen der Bibel deutlich gemacht. Gott schafft mit dem Menschen ein ewiges lebendiges Geschöpf und legt die Ewigkeit in das Herz des Menschen:

Gott hat allem auf dieser Welt schon im Voraus seine Zeit bestimmt, er hat sogar die Ewigkeit in die Herzen der Menschen gelegt. (Prediger 3,11)

Gott schafft also einen Menschen der ewig werden soll und einen freien Willen hat. Der Mensch der jedoch sündigt und somit gegen Gott arbeitet und an dieser Sünde festhält, kann in diese Ewigkeit nicht eintreten. Dem entsprechend bedeutet das erste Wort in Bibel für Sünde (hebräisch chattah, 1. Mose 4,7) direkt übersetzt „Zielverfehlung„. Der Mensch ist frei in seiner Entscheidung, verfehlt jedoch den eigentlich Grund seiner Schöpfung und kommt somit nicht zum Ziel. Weitere direkte Übersetzungen sind:

  • Awon: Abbiegung, Verdrehung (gleiche Bedeutung wie Perversion)
  • Raa: Bosheit, Schlechtigkeit
  • Chamas: Gewalttat

Das macht es uns einfacher den Wesen der Sünde zu verstehen. Sünde ist selbstsüchtig, arrogant und hochmütig. Sünde zerstört Menschen, Tiere, Landschaften, raubt Planeten aus und zerstört die aufgestellte Ordnung (bringt aus dem biologischen Gleichgewicht). Sünde verdreht die Wahrheit und glaubt der Lüge. Sünde nennt Böses gut und Gutes böse. Sünde ist Hass, Rache, Mord, Krieg und Gewalt. Sünde ist Streit, Eifersucht und Neid. All diese Dinge wurden nie von Gott erschaffen oder erdacht sondern sind das Resultat des freien Willens des Menschen der sich außerhalb von Gott bewegen kann mit seinem Denken und Handeln. Die Ziele der Zerstörung sind dabei folgende:

  • Der Mensch selbst (also gegen sich selbst gerichtet)
  • Andere Menschen und die Beziehung zu anderen Menschen
  • Die Beziehung zu Gott (Gott selbst ist unzerstörbar und damit auch unangreifbar)
  • Die Umwelt mit Tieren, Pflanzen und Systemen und die Beziehung zur Umwelt

Alles was in diesen Bereichen destruktiv wirkt ist Sünde. Deswegen benutze ich für Sünde gerne das Wort Destruktion. Alles was in diesen Bereichen jedoch kreativ und konstruktiv wirkt ist Gottes Wille, denn er ist der Gott der schafft und Leben gibt:

Der Dieb kommt, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Ich aber bringe Leben – und dies im Überfluss. (Johannes 10,10)

Die Sünde hat jedoch noch einen Charakter den wir bisher nicht betrachtet haben. Sie ist wie eine Krankheit die den Menschen befällt und Macht auf ihn ausübt die dem Menschen selbst widerstrebt:

Der Herr fragte ihn: »Warum bist du so zornig? Warum starrst du auf den Boden? Wenn du Gutes im Sinn hast, kannst du den Kopf frei erheben; aber wenn du Böses planst, lauert die Sünde vor der Tür deines Herzens und will dich verschlingen. Du musst Herr über sie sein! (1. Mose 4,1)

Es gibt viele Menschen die verstehen was Sünde ist und sehen auch den Weg und Willen Gottes, und trotzdem erlebt der Mensch dass er sich gelegentlich (oder häufig) wieder für Sünde entscheidet und somit im Gegensatz zu seinen eigentlichen Überzeugungen handelt. Daraus kann dann wieder Scham entstehen was im wesentlichen auch wieder Sünde ist.

Aber warum ist das so? Die Bibel macht deutlich dass die Sünde wie eine Art Krankheit ist, mit der die Seele des Menschen sich angesteckt hat. Der Mensch möchte die Sünde loswerden, aber sie bleibt da und übt Macht auf die Entscheidung des Menschen aus. Sie hat den Menschen so sehr infiziert dass sie sogar Teil der menschlichen Natur geworden ist. Jeder Versuch sich von der Sünde zu lösen ist daher zum Scheitern verurteilt. Alle eigenmächtigen Bemühungen werden daher früher oder später versagen und beschämt beendet werden.

Der Mensch allerdings unternimmt in seiner Unwissenheit darüber sehr viele Bemühungen und so gibt es unzählige Religionen und Regelwerke die uns versprechen von der Sünde loszukommen und Gott näher zu kommen. Diese Bemühungen erfordern jedoch für gewöhnlich sehr viel Krafteinsatz. Der Mensch muss unglaublich fokussiert sein und kämpfen um überhaupt ein kleines bisschen freier zu werden von der Sünde. Dieser Krafteinsatz kann in der Regel jedoch nicht lange aufrecht gehalten werden. Und so sind diese Bemühungen mit einem Gummiband zu vergleichen welches unter Anstrengung gespannt wird. Ein Auslöser bringt es jedoch dazu schnell wieder zurückzuschnellen. In diesen Momenten wird der Mensch plötzlich von der scheinbar frommen Person zum Beispiel zu einer jähzornigen Person die alles verflucht und tief verbittert ist.

Ich weiß wohl, dass in mir nichts Gutes wohnt. Zwar habe ich durchaus den Wunsch, das Gute zu tun, aber es fehlt mir die Kraft dazu. Ich will eigentlich Gutes tun und tue doch das Schlechte; ich verabscheue das Böse, aber ich tue es dennoch. Wenn ich also immer wieder gegen meine Absicht handle, dann ist klar: Nicht ich selbst bin es, der über mich bestimmt, sondern die in mir wohnende Sünde. (Römer 7,18-20)

Dieser Auslöser der dazu führt dass die frommen Bemühungen beendet werden ist fast immer Schmerz und Leid. Wenn ein Mensch Schicksalsschläge erlebt, abgewiesen wird, verlassen wird, gemobbt wird, Geld oder den Job verliert dann raubt es ihm ein unglaubliches Maß an Kraft. Die Kraft die zuvor benutzt wurde um möglichst makellos zu Handeln ist nun nicht mehr vorhanden und so tritt ein Jojo Effekt ein der dazu führt dass die sündige Natur wieder intensiv das Denken und Handeln bestimmt:

Wenn wir uns von unserer sündigen Natur bestimmen lassen, leben wir in Auflehnung gegenüber Gott. Denn die alte Natur ist nicht bereit, sich Gottes Gesetz unterzuordnen. Ja, sie kann das gar nicht. (Römer 8,7)

Aus diesem Grund ist es einfach unmöglich das Problem der Sünde mit dem Verstand und Herzen zu erfassen und zu sagen: „Ja macht Sinn. Dann sündige ich halt nicht mehr.“ Es wird scheitern, egal wie sehr du es möchtest!

Und doch gibt es einen Weg aus der Sünde heraus. Dieser Weg führt jedoch nicht wie herkömmlich gedacht über Anstrengungen und Regeln sondern folgt einem Angebot, dass Gott den Menschen macht und das lautet in einfachen Worten so: „Wenn du dich mir zuwendest und Hilfe annehmen kannst, dann erschaffe ich dich neu und zwar ohne sündige Natur.

Gehört also jemand zu Christus, dann ist er ein neuer Mensch (neue Schöpfung). Was vorher war, ist vergangen, etwas völlig Neues hat begonnen. (2. Korinther 5,17)

Während also die erste Schöpfung des Menschen unter dem Fluch stand sterben zu müssen und nie ewig leben zu dürfen, wird der neue Mensch frei von der sündigen Natur und kann somit doch ewig leben.

Ganz offensichtlich ist dieser Prozess der Neuschöpfung jedoch noch nicht vollständig abgeschlossen denn sonst würde kein Christ überhaupt noch sündigen und wäre auch überhaupt nicht von Krankheiten befallen. Ja wäre der Prozess ganz abgeschlossen müsste der Mensch auch keinen temporären Tod sterben. Das Wort sagt uns dass der Geist des Menschen und sein Inneres bereits neu gemacht wurden und nun ganz heilig ist. Das Fleisch, oder die äußere Hülle oder Teile des Körpers sind jedoch noch nicht komplett erneuert:

Wenn Christus in euch lebt, dann ist zwar euer Körper wegen der Sünde noch dem Tod ausgeliefert, doch Gottes Geist schenkt euch ein neues Leben, weil Gott euch angenommen hat. Ist der Geist Gottes in euch, so wird Gott, der Jesus Christus von den Toten auferweckt hat, auch euren vergänglichen Körper lebendig machen; sein Geist wohnt ja in euch. (Römer 8,10)

Da der Mensch also nicht ganzheitlich neu gemacht ist sondern noch Teile der alten Natur nachhängen kommt es auch bei Christen zur Sünde. Wie stark dieser Einfluss der Sünde jedoch auf den Menschen ist, hängt davon ab wie sehr er sich auf den Geist Gottes einlässt und sich von ihm bestimmen lässt. So kann es sein dass ein Christ dem Geist keinen Raum gibt und daher fast wie früher in Sünde verstrickt wird. Und es kann sein, dass ein Christ mit Hilfe des Geistes die Sünde mit ihren Folgen ganz zurückdrängt.

Was will ich damit sagen? Lasst den Geist ´Gottes` euer Verhalten bestimmen, dann werdet ihr nicht mehr den Begierden eurer eigenen Natur nachgeben. (Galater 5,16)

Der Schlüssel zu einem Leben in möglichst großer Übereinstimmung mit Gott liegt daher nicht in dem Befolgen von starren Regeln sondern in der Beziehung zu Gott die uns nun durch den Heiligen Geist möglich ist. Das heißt mit ihm sprechen, von ihm hören auf ihn reagieren und lernen ihn zu lieben. Dem einzig Wahren. Dem Schöpfer.

Seid gesegnet liebe Geschwister!

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