(1. Mose 22, 1-19)

Ich glaube wir alle wünschen uns immer wieder, dass Gott mit uns spricht.

Am Besten spräche er so mit uns, wie unsere Freunde mit uns sprechen, nur mit dem feinen, aber bedeutenden Unterschied, dass wir uns absolut auf das verlassen könnten was er sagt. Es wäre immer richtig. Es wäre immer gut. Und es wäre immer das letzte Wort worauf wir uns stützen würden. Schließlich ist es Gottes Wort.

Abraham kannte Gottes Stimme. Schon mehrfach hatte Gott zu ihm gesprochen und ihm das einzig richtige, gute und wahre Wort gegeben, was ihn zu einem Leben im Überfluss geführt hatte.

Gott sprach. Abraham hörte und gehorchte und erlebte eine Segnung nach der anderen. Ein Wunder nach dem anderen.

Doch dann sagte Gott etwas zu ihm, was all den Jahren, Verheißungen und Segnungen völlig wiedersprach.

„Geh mit deinem Sohn Isaak, den du so sehr liebst, in die Gegend von Morija. Dort zeige ich dir einen Berg. Auf ihm sollst du deinen Sohn Isaak töten und als Opfer für mich verbrennen!“ (1. Mose 22, 2 Hfa)

Und dann? –Nichts.

Der nächste Satz in der Bibel schreibt davon, dass Abraham umgehend Gottes Willen umzusetzen begann.

Aber auch Abraham hatte Gefühle und Gedanken- so wie wir heute.

Und auch er musste das Gehörte erstmal verarbeiten.

„geh mit deinem Sohn, den du so sehr liebst.“ Gott wusste, wie viel Isaak Abraham bedeutete. In der Gute Nachricht Bibel ist der Wortlaut: „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, der dir ans Herz gewachsen ist, den Isaak!“

Ich spüre das Stechen in Abrahams Brust, als Gott ihm diese Aufforderung stellt.

Das Allerliebste auf dieser Welt.

–Und Gott sagt: „Gib es mir!“

Was kann das bei uns sein?

Kürzlich sagte eine Freundin über ihre Beziehung zu ihrem Partner zu mir: „Wenn das kaputtgeht, kannst du mich einweisen…“ Das Allerliebste auf der Welt- ihr Freund, ihr Partner. Und wenn Gott sagen würde: „Gib ihn mir zurück!“, erwartet sie völligen seelischen und psychischen Zusammenbruch von sich selbst.

Ein Bekannter reist beruflich viel durch die Welt und ist eher selten in Deutschland. Er sagt er liebt seine Heimat, aber wenn er diese Freiheit des Reisens verlieren würde, würde er „eingehen“, „verrückt werden“. Und wenn Gott sagen würde: „Gib mir deine Freiheit!“, er erwartet, das nicht ertragen zu können.

Wir wünschen uns, dass Gott zu uns spricht.

Aber was ist, wenn er plötzlich sagt. „Gib mir deine Liebe, gib mir dein Zuhause, gib mir deinen Sport, dein Geld, deine Freiheit, deinen Erfolg…“ Wir können diese Liste ewig weiterführen, denn wir alle haben etwas, das uns das Allerliebste ist, auf dieser Welt. Etwas das uns ans Herz gewachsen ist.

Was macht Abraham?

Ich stelle mir vor, wie die Gefühle ihn überrennen.

Übelkeit steigt in ihm auf, Schwindel- ihm wird kurz schwarz vor Augen.

Genauso gut hätte Gott auch sagen können: „schneid dir dein Herz aus der Brust und gib es mir.“ Er konnte sich nicht vorstellen, wie er so weiterleben sollte.

Trotz all dieser Gefühle und vermutlich einer katastrophalen, schlaflosen Nacht voller Qualen, steht er am nächsten Morgen auf und tut, was nötig ist um Gottes Willen auszuführen.

„Am nächsten Morgen stand Abraham früh auf und spaltete Holz für das Opferfeuer. Dann belud er seinen Esel und nahm seinen Sohn Isaak und zwei seiner Knechte mit. Gemeinsam zogen sie los zu dem Gebirge, das Gott Abraham genannt hatte.“ (1. Mose 22, 3 Hfa)

Gehen wir noch ein bisschen weiter:

Die Nacht geht zu ende, aber Abrahams Schmerz nicht.

Noch immer liegen Gottes Worte schwer wie Blei auf seiner Seele.

Jeder Schlag, um das Holz zu spalten, spaltet sein Herz.

Jedes Tau mit dem er die Last auf den Esel schnürt, schnürt ihm die Kehle zu.

Wohl möglich ist sein Sohn auch bald aufgestanden und kommt Freude strahlend zu ihm. Denn er kennt kein Leid. Sein Vater ist ein echter Mann Gottes. Isaak kennt Gottes Gnade seit er geboren wurde und er lebt ein Leben in dieser unermesslichen Liebe Gottes und der seiner Eltern. Für ihn gibt es keinen Grund traurig zu sein, wenn er morgens aufsteht. Und das zu diesem Zeitpunkt bereits seit 33 Jahren.

Isaak ist ein Mann von 33 Jahren, als Gott von seinem Vater verlangt ihn eigenhändig umzubringen.

Und Abraham steht da, bereitet das Holz, belädt den Esel und sieht seinen geliebten Sohn, auf den er 25 Jahre lang gewartet hatte und der sich seit 33 Jahren jeden Tag fester und tiefer in sein Herz meißelt, – und der nichts von dem Leid in seinem Innern erahnen kann.

Aber auch das hält Abraham nicht davon ab, Gottes Willen zu befolgen.

Stell Dir vor, Gott hat Dir bereits gesagt, dass er zurückhaben will, was Dir das allerliebste geworden ist in dieser Welt. Vielleicht bist Du Dir im Klaren darüber, dass dieser Mensch, dieses Talent, diese eine Sache ein Geschenk von Gott war. Und Du bist vielleicht auch schon so weit, dass Du sagst, dass Gott das Recht hat, alles von Dir zu fordern, denn immerhin hast Du ihm dein Leben gegeben und damit alles, was dieses Leben ausmacht.

Aber dann stellst Du fest, dass diese Forderung auch in das Leben anderer hineingreift. Auch andere Herzen werden gebrochen werden. Auch andere Freude wird verschwinden. Dein eigenes Leid ist kaum noch zu ertragen und Du begreifst, dass mit diesem Gehorsam noch mehr gefordert wird.

Die Situation wird von unerträglich zu ausweglos.

Und Abraham wusste, dass es nicht nur sein Herz, sondern auch ein Leben kosten würde-

Die Bibel schreibt, dass er all das drei Tage lang erträgt. Drei Tage lang tut er nichts anderes, als durch die Wüste und das Gebirgsland zu gehen, um nach Morija zu kommen und diesen Sturm in sich zu ertragen, immer wieder Gottes Worte hörend: „töte deinen Sohn und verbrenne ihn als Opfer für mich!“. Es ist niemand da zu dem er gehen kann. Niemand bei dem er sich aussprechen kann, um sein Leid zu lindern oder zu teilen. Jeder dem er davon erzählt hätte, hätte ihn sicher davon abhalten wollen. Und Abraham wusste, dass das auf keinen Fall passieren durfte.

Warum war Abraham so sehr darauf bedacht, dass Gottes Willen durchgesetzt wurde?

Könnten wir es aushalten, es alleine für uns zu tragen, wenn Gott etwas so Krasses von uns verlangt?

Haben wir nicht alle jemanden, zu dem wir sofort hinrennen und ihm alles erzählen, damit dieser uns dann guten Rat geben kann?!?

Aber am Anfang hast Du mir sicher zugestimmt, dass Gottes Wort doch das wäre, worauf wir uns immer als allererstes und allerletztes stützen würden- wenn er mit uns spräche wie ein Freund.

Abraham zog es durch.

Gott hat’s gesagt. So wird’s gemacht!

„Nach drei Tagesreisen war es (das Gebirge) in der Ferne zu sehen. >>Ihr bleibt hier und passt auf den Esel auf!<<, sagte Abraham zu den beiden Knechten. >>Der Junge und ich gehen auf den Berg, um Gott anzubeten; wir sind bald wieder zurück.<<“ (1. Mose 22, 4+5 Hfa)

Jetzt muss Abraham auch noch lügen. Er weiß doch, dass er Isaak gleich als Opfer darbringen wird. Wie kann er dann zu seinen Knechten sagen, dass sie beide bald wieder zurück sind?

Für mich setzt die Bibel hier die erste Aussage darüber, dass Abraham über all seine Gedanken und Gefühle hinaus, an Gottes Verheißung festhält, dass Isaak der Vater von dem nicht zählbaren Volk werden wird, das er ihm, Abraham, zugesagt hat.

Abraham lügt seine Knechte nicht an.

Er glaubt fest daran, dass er mit seinem Sohn zurückkehren wird.

Möglicherweise war diese Drei-Tages-Reise notwendig für Abraham, damit er den ersten Schock über Gottes Anweisung verarbeiten konnte und sein Glauben sich wieder neu aufrichten und stärker in ihm verwurzeln konnte.

Gott hatte ihm zugesagt, ihn zum Stammvater eines großen Volkes zu machen. Und Gott hatte ihm zugesagt, dass dies durch seinen Sohn Isaak als nächstes fortgeführt würde. Drei Tage gaben Abraham genug Zeit um negative Gedanken und Gefühle zu überwinden und sich wieder auf diese Verheißung zu stützen. Denn was Gott sagt ist wahr. Er steht zu seinem Wort.

Also entwickelte Abraham ein starkes Vertrauen, dass Gott diese Situation seiner Verheißung entsprechend lösen würde und er fasste Mut Gottes Anweisung zu folgen, – dem Einen zu folgen „der bewirkt was er will, und lenkt, was er geplant hat“ (Jeremia 33,2 Hfa).

Auch wir sollten in solchen Zeiten an Verheißungen festhalten, die Gott uns einmal gegeben hat.

Und wir sollten in solchen Zeiten daran festhalten, dass Gott es gut mit uns meint. „Das Ende einer Sache ist besser als ihr Anfang“ (Prediger 7, 8 Hfa) ER liebt uns, ER sieht uns, ER hört uns und ER versteht uns. Unser Leid, ist sein Leid. Unser Schmerz, ist sein Schmerz. Niemals wird er etwas von uns fordern, ohne dass es g u t ist für uns. Was Gott in unserem Leben tut kann nicht schlecht sein. Und was er uns zusagt, das wird eintreffen, denn „Gott ist kein Mensch, der lügt. Er ist nicht wie einer von uns, der seine Versprechen bald wieder bereut. Was er sagt, das tut er, und was er ankündigt, das führt er aus.“ (4. Mose 23,19 Hfa)

Abraham hat diese Erfahrung als erster für uns gemacht.

Mit allen dazugehörigen Emotionen ging er durch diese Zeit hindurch.

Er kannte keine Auferstehung von den Toten und trotzdem glaubte er daran, dass wenn er Gott folgen, er seinen Sohn nicht verlieren würde. Abraham kannte auch keine Geschichten von anderen Heiligen, an die er sich festklammern konnte, mit der zaghaften Gewissheit, dass Gott ihm vielleicht auch so gnädig sein könnte, wie den anderen.

Er hatte nichts als seinen eigenen Glauben, und die Erinnerung an 25 Jahre des sehnlichen Wartens auf seinen geliebten Sohn und dem Eintreten von Gottes Verheißung.

Auch wir gehen hin und wieder durch solche Zeiten.

Vielleicht kennst Du schon dieses Gefühl, dass Gott ebenso hätte verlangen können, dass Du Dir dein Herz herausschneidest und ihm gibst, als DAS…

Erinnere Dich daran, was deinen Glauben stärken kann.

Halte an Erfahrungen fest, die Dir persönlich den Mut geben, dass das Wort von Gottes Güte wahr ist.

Und bei allem was Du fühlst und denkst, sei Dir bewusst, das ist okay.

Gott weiß, dass Du Mensch bist.

Gott weiß, dass seine Gedanken Dich manchmal durcheinanderbringen können und dass Du manchmal eine Zeit lang überfordert bist mit seinem Weg für dein Leben.

Aber verliere niemals deinen Glauben!

Ich empfehle Dir, die Geschichte von Abrahams Prüfung für Dich nochmal zu Ende zu lesen.

Sieh Dir selbst an, welche Verheißungen aus Abrahams Gehorsam für ihn hervorgehen.

Gott ist der Erste und der Letzte! Und das will er auch in unserem Leben sein- IMMER.

Manchmal stellt er uns auf die Probe und möchte uns selbst wissen lassen, ob wir wirklich bereit sind, ihm ALLES zu geben.

Auch das woran unser Herz am allermeisten hängt.

Falls Du die Geschichte noch nicht kennst: Abraham hat seinen Sohn nie getötet. Aber er hätte es fast getan. Bis zum Schluss hielt er durch, hat seinen Willen besiegt und sich selbst Gottes Willen ganz hingegeben. Und im allerletzten Moment hat Gott ihm das gelassen, was sein ganzes Herz war.

Für mich ist Abraham ein Held. Wie vielen Ängsten, Schmerzen und Kämpfen hat er sich entgegengestellt und er hat gesiegt.

Weil Gott ihn auserwählt hat, ein siegreiches Leben zu führen!

Und für mich ist Gott ein Held. Wie sehr muss der Himmel mit Abraham gelitten haben in diesen Tagen. Aber Gott hat gesiegt.

Und er ließ Abraham das, was er ihm aus lauter Liebe geschenkt hatte.

Auch uns hat Gott auserwählt ein siegreiches Leben zu führen!

Auch wir werden uns hin und wieder fühlen, als müssten wir kämpfen. Vielleicht um das was wir lieben. Vielleicht um unser Leben. Aber am Ende werden wir siegen. Denn am Ende steht immer Gott. Und Gott ist immer gut.

Seid gesegnet. Gott liebt uns so sehr!!!

Sarenka

2 thoughts on “Eine schwere Prüfung für Abraham.

  1. Toller Text!

    Als unser Schöpfer soll Gott die höchste Stelle in unserem Leben einnehmen. Noch über Ehepartner, Eltern und Kinder. Häufig passiert es, dass wir etwas über Gott stellen. Und in einigen Fällen wird Gott das korrigieren. Ich glaube, dass Gott das mit Abraham gemacht hat. Die Prüfung hat nicht nur etwas Vorhandenes geprüft sondern auch etwas neues hervorgebracht. Wenn wir uns nicht zwischen einer bestimmten Sache und Gott entscheiden müssen fällt uns häufig gar nicht auf, dass wir etwas über Gott stellen. Durch die Prüfung war Abraham damit konfrontiert und hat vermutlich plötzlich gemerkt, dass ihm der Sohn wichtiger geworden ist als Gott. Er hat sicher damit gerungen, aber am Ende hat Abraham dies korrigiert indem er vollständig gehorcht hat. Abraham war also ein Schritt weiter nach der Prüfung.
    Gleiches hat Gott auch mit anderen Personen gemacht in der Schrift. Auch ein gutes Beispiel ist Jakob mit seinen beiden Söhnen Josef und Benjamin.

    Die Story ist außerdem eine wichtige Parallele zu dem Opfer Jesu. Abraham musste nie wirklich seinen Sohn hingeben. Vom Menschen hat Gott nie so ein großes Opfer bis zur Ausführung komplett gefordert. Gott selbst aber ist diesen Schritt gegangen. Er hat seinen Sohn Sterben lassen. Aus Treue zum Menschen und zur Menschheit. Ich glaube das ist ein wichtiger Gedanke!

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